Apple: Innovation oder rebranding?

1381189145_one_finger_triple_tap_gestureworksDie neueste Version des iPhones bringt die Touch-ID-Funktion, eine Methode, mobile Geräte freizuschalten, die von vielen als die einfachste und sicherste im Vergleich zur PIN- oder Pattern Eingabe gilt. Während sich manche noch Gedanken machen, ob eine so individuelle Sperrung für den alltäglichen Gebrauch überhaupt nötig ist, ist zu erwarten, dass wir in Zukunft viel öfter mit solchen Scannern zu tun haben werden. Warum? Weil Apple eines der erfolgreichsten Unternehmen darin ist, bestehende Technologien zu implementieren und so zu vermarkten, dass es die Massen anspricht. In anderen Worten: ein gnadenloser Trendsetter.

Biometrische Fingerabdruck scanner sind nicht unbedingt eine technologische Revolution, sie existieren eigentlich schon seit Jahren. Warum also wird dieser Schritt so hoch gefeiert?

Apple hat schon immer Wert auf Innovation gelegt und sieht sich selbst als Vorreiter was Fortschritt angeht. Wenn man sich die Geschichte des Unternehmens genauer anschaut, erkennt man, dass Steve Jobs’ Unternehmen dabei eine ähnliche Politik wie Google betreibt: bestehende Technologien kaufen und neu vermarkten.

Im Jahr 1998 versuchte die Firma Ritmoteca.com den ersten lizenzierten digitalen Musikvertrieb-Service zu etablieren. Singles kosteten 0,99 $ , Alben $ 9,99. Trotz Verträgen mit drei der größten Plattenfirmen und Millionen Dollar an Angel Investments, ging der Musik-Anbieter im Jahre 2003 pleite.

Als Ritmoteca unterging, wurde iTunes ins Leben gerufen. Einzelne Songs kosteten (Überraschung!) $ 0,99, Alben $ 9,99 und die Welt konnte ihre Aufregung kaum zurückhalten. Unterstützt durch den im 2001 herausgebrachtem iPod (Apple’s Neuerfindung des tragbaren MP3- Player, ein Produkt, das 4 Jahre zuvor von Saehan Information Systems produziert wurde), kassierte der iTunes Store einen Riesenerfolg.

Das gleiche Prinzip gilt für das iPad. Die Entwicklung des Tablet-Computers geht bis in die 80er Jahre zurück, wurde aber kaum beachtet bis Apple 2010 das eigene Gerät auf den Markt brachte.

Seit Jahren betreibt das US-Unternehmen eine brillante Marketing Strategie, wobei es eine Massen-Nachfrage erschafft, die zuvor nicht oder kaum existierte.

Philip Whitchelo, Vize Präsident of Product Marketing bei Intralinks, erklärte zur Geschichte und möglichen Zukunft von Biometrischen Sicherheitsmaßnahmen:

Diese Scanner gibt es schon seit mehr als zehn Jahren und wurde damals von Unternehmen vor allem beim Datenschutz und Mitarbeiter-Zugang begrenzt eingesetzt. Die Technologie war aber nicht so gut und komplex, was letztendlich nicht dazu beigetragen hat, das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen. Obwohl seitdem drastische Verbesserungen vorgenommen wurden, hat das Vertrauen noch nicht aufgeholt. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob Fingerabdruckscanner und andere biometrische Technologien in Zukunft angewendet werden. Ich denke, Apples neues Produktangebot könnte dazu beitragen, das Vertrauen zu verbreiten. Sobald Verbraucher sich daran gewöhnen, könnten zum Beispiel Finanzinstitute Fingerabdrücke mit einem PIN-Code kombiniert anwenden.

Wenn der Einsatz von biometrischen Sicherheitsmaßnahmen in der breiten Öffentlichkeit der erste Schritt ist, dann sollte es nicht zu lange dauern, bis Unternehmen von dieser Technologie Nutzen schöpfen – das iPhone 5S verkauft sich nun mal wie warme Semmeln.

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